Luzern führt Pilotprojekt zur Abgabe von Stimmzetteln in Bars und Blumenabteilungen ein

Luzern – Die Demokratie bekommt ein neues Gesicht. Ab dem 01. Januar 2025 startet die Stadt Luzern ein revolutionäres Pilotprojekt, das die politische Beteiligung auf das nächste Level heben soll. In einem bahnbrechenden Schritt können Bürgerinnen und Bürger ihre Stimm- und Wahlzettel nicht mehr nur in den altbekannten Urnen abgeben, sondern auch an Orten, die bisher eher weniger mit dem demokratischen Prozess in Verbindung standen – in ausgewählten Bars, der Migros-Blumenabteilung und sogar im VEGAS Club Luzern.

Die Idee dahinter? „Wir wollen die Hürden zur politischen Beteiligung senken und sie in den Alltag integrieren“, erklärt Projektleiterin Pia Wu Lei vom Amt für Bürgerservice und Event-Demokratie. „Viele Luzerner verbringen mehr Zeit in der Happy Hour als am Küchentisch, also warum nicht den Abstimmungsvorgang dorthin verlagern?“

Blumen und Bünzli – Eine perfekte Kombination

In der Migros-Blumenabteilung erwartet die Bürger ein ganz besonderer Service. Wer seine Stimmzettel zwischen Rosen und Tulpen abgibt, kann sich von den freundlichen Floristen gleich noch den einen oder anderen Wahlvorschlag „flüstern“ lassen. „Wir bieten nicht nur fachkundige Beratung bei der Auswahl von Pflanzen, sondern stehen auch für politische Tipps bereit“, sagt Frau Gerber, die Leiterin der Abteilung, die ab 2025 neben der Frage „Topfpflanze oder Strauss?“ auch „SP oder SVP?“ beantworten wird.

Mit einem Drink zur direkten Demokratie

Noch entspannter wird es in den Luzerner Bars, wo sich der neue Wahlslogan „Ein Drink, ein Kreuz“ bewähren soll. Hier können Gäste ihre Wahlunterlagen an der Bar abgeben und – auf ausdrücklichen Wunsch – von geschultem Personal gleich ausfüllen lassen. „Es ist wirklich praktisch“, schwärmt Mario aus der Hanky Panky Bar & Lounge. „Während ich mir einen Gin Tonic gönne, sorgt der Barkeeper dafür, dass meine Stimme zählt. Und das Beste: Es gibt einen Gratis-Shot, wenn man das Referendum mit Ja abhakt!“

Kritiker warnen jedoch vor möglichen Interessenskonflikten. „Es könnte zu ungewollten Überzeugungen kommen, besonders nach dem dritten Bier“, sagt der Luzerner Politikexperte Dr. Balthasar Seriös. Doch die Stadtverwaltung beschwichtigt: „Natürlich gibt es einen ‚politischen Promillegrenzwert‘ – ab 1,5 Promille dürfen keine Empfehlungen mehr gegeben werden. Wir haben schliesslich auch unsere Prinzipien.“

Demokratie für Nachtschwärmer im VEGAS Club

Der Höhepunkt des Projekts ist jedoch der VEGAS Club Luzern. Hier wird die Abgabe der Stimmzettel zum regelrechten Event. In der VIP-Lounge können Besucher ihre Unterlagen von Hostessen ausfüllen lassen, während DJ „Referendarius“ die Crowd mit politischen Beats bei Laune hält. „Es ist ein völlig neues Erlebnis, wenn man im Rhythmus der Demokratie tanzt“, schwärmt Sarah (23), die letzte Abstimmungen „irgendwie verpasst“ hat, nun aber fest entschlossen ist, ihre Stimme abzugeben – zumindest sobald der Bass droppt.

Ein mutiger Schritt in eine fragwürdige Richtung?

Während einige den „demokratischen Spirit“ feiern, gibt es auch skeptische Stimmen. „Das ist der Anfang vom Ende der ernsthaften politischen Teilhabe“, warnt Lokalpolitiker Karl Ernst Bünzler (58). „Was kommt als Nächstes? Briefwahlen direkt aus dem Solarium?“ Doch Luzern bleibt optimistisch. Sollte das Projekt erfolgreich sein, könnte es bald in die nächste Phase gehen, bei der Bürgerinnen und Bürger ihre Stimme auch am Open-Air-Kino oder beim Streetfood-Festival abgeben können.

„Wir wollen die Demokratie dahin bringen, wo das Volk ist“, betont Wu Lei. Und das Volk ist – wie man sieht – offenbar gern mal zwischen Rosen, Cocktails und tanzenden Lichtern zu finden.

Ob das die Wahlbeteiligung wirklich steigert? Das wird die Zukunft zeigen. Aber eins ist klar: Langweilig wird es in Luzern ab dem 01.01.2025 sicher nicht mehr.

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