Rütli-Radar.ch – Das einzig wahre Mitarbeiterreglement

Vorbemerkung:
Willkommen bei Rütli-Radar.ch, der Online-Zeitung, die sich um alles kümmert, ausser um ihre Mitarbeiter. Dieses Reglement ist für jene tapferen Seelen, die noch nicht genug hatten und sich dennoch entschieden haben, für uns zu arbeiten. Wir hoffen, dass du ein dickes Fell hast. Lies aufmerksam, denn Unwissenheit schützt vor Ärger nicht.

1. Arbeitszeit – 24/7, weil Nachrichten nie schlafen

1.1. Offizielle Arbeitszeiten: Offiziell ist der Arbeitstag von 8:00 bis 18:00 Uhr. Inoffiziell erwarten wir, dass du jederzeit erreichbar bist. Nacht, Wochenende, Feiertage? Pech gehabt, der nächste Skandal kann jederzeit passieren, und du wirst der Erste sein, der davon erfährt – ob du willst oder nicht.

1.2. Pausen: Natürlich sind Pausen erlaubt. Du kannst so viele Pausen machen, wie du möchtest – vorausgesetzt, du arbeitest gleichzeitig weiter.

1.3. Freizeit? Was ist das? Freizeit existiert nicht, nur Deadlines. Also hör auf, davon zu träumen!


2. Erreichbarkeit – Wenn wir dich brauchen, tauchst du sofort auf

2.1. Handy: Dein Handy ist ab sofort dein bester Freund. Wenn wir dich anrufen, antwortest du spätestens nach dem dritten Klingeln. Wenn du das nicht tust, wirst du öffentlich auf der Website als «Verhinderer der Wahrheit» gebrandmarkt.

2.2. Urlaub: Urlaub ist eine schöne Idee, aber leider wird er hier nicht praktiziert. Solltest du auf die absurde Idee kommen, einen Antrag zu stellen, bedenke, dass er grundsätzlich abgelehnt wird. Falls du trotzdem abwesend bist, bist du weiterhin per Video-Konferenz für uns verfügbar.


3. Kommunikation – Wir sagen dir, wann du schweigen sollst

3.1. Interne E-Mails: Alle Mails, die von der Chefetage kommen, müssen sofort beantwortet werden. Antworten nach mehr als fünf Minuten werden als passiv-aggressiv eingestuft.

3.2. Feedback: Feedback an Vorgesetzte ist unerwünscht. Jegliche Form von Verbesserungsvorschlägen wird als Illoyalität interpretiert und könnte zu deiner Versetzung in unser neues «Social Media Überwachungsteam» führen, das aus einem dunklen Keller heraus operiert.


4. Kleidungsordnung – Casual? Nicht bei uns!

4.1. Dresscode: Selbst im Homeoffice gilt: Business-Outfit von Kopf bis Fuss. Das Tragen von Jogginghosen wird als Zeichen von Respektlosigkeit angesehen. (Wir wissen, dass du sie trägst – auch über die Kamera hinaus.)

4.2. Webcam: Die Kamera muss immer an sein, egal wie du dich fühlst. Ein ausgeschaltetes Video wird automatisch als Arbeitsverweigerung gewertet und mit einem entsprechenden Beitrag im «Schandblock» auf unserer Startseite dokumentiert.


5. Performance – Du bist nie gut genug

5.1. Zielvorgaben: Die monatlichen Zielvorgaben sind absichtlich unerreichbar gesetzt. Das ist Teil unserer Strategie, damit du immer motiviert bleibst, mehr zu leisten.

5.2. Leistungsgespräche: Bei Leistungsgesprächen gilt die Regel: Du wirst niemals ausreichend gelobt. Lob führt zu Selbstzufriedenheit und das können wir uns nicht leisten.


6. Kündigung – Du darfst gehen, aber vergiss nicht, wer das Sagen hat

6.1. Eigenkündigung: Solltest du auf die absurde Idee kommen, das Unternehmen zu verlassen, wirst du ab sofort als Konkurrent behandelt. Dein Name wird aus allen Unterlagen entfernt, und du wirst nur noch als «Person XY» in Meetings erwähnt.

6.2. Abfindung: Es gibt keine. Punkt. Was dachtest du?


7. Spass – Spoiler: Es gibt keinen

7.1. Lachen: Lachen ist erlaubt, solange es die Produktivität nicht stört. Solltest du jedoch beim Lachen erwischt werden, ohne dass ein direkter Nutzen für das Unternehmen erkennbar ist, wirst du gebeten, einen schriftlichen Bericht über den Mehrwert deines Lachens vorzulegen.


8. Datenschutz – Wir wissen alles

8.1. Überwachung: Deine Internetnutzung wird 24/7 überwacht. Jede E-Mail, jeder Klick, jeder Blick auf soziale Medien wird registriert. Solltest du auf Facebook oder Instagram scrollen, wird automatisch ein Artikel über dein mangelndes Engagement bei uns veröffentlicht.

8.2. Privatsphäre: Gibt es nicht. Deine Tastatureingaben werden ebenfalls überwacht – das hast du bei Vertragsunterzeichnung akzeptiert. Kein Grund zur Sorge, es ist zu deinem Besten (und zu unserem Vergnügen).


9. Krankheit – Krank ist nur eine Ausrede

9.1. Krankmeldung: Solltest du tatsächlich so schwach sein, dass du dich krank melden musst, erwarten wir eine umfassende Erklärung per Videoanruf. Husten, Schnupfen, oder Fieber gelten nicht als ausreichend. Mindestens ein ärztliches Attest ist erforderlich, und das täglich.

9.2. Arbeiten von zu Hause: Krankheit ist kein Grund, nicht zu arbeiten. Dank der modernen Technik kannst du dich von deinem Bett aus einloggen und weiter produktiv sein. Falls du nicht in der Lage bist, am Schreibtisch zu sitzen, akzeptieren wir auch die horizontale Position – Hauptsache, du bist online.

9.3. Längere Krankheit: Falls du länger als 24 Stunden krank bist, besteht Verdacht auf Arbeitsverweigerung. Du wirst einem speziellen Untersuchungsausschuss vorgestellt, um sicherzustellen, dass deine „Krankheit“ nicht nur eine Tarnung für Faulheit ist.

9.4. Erkältungswelle im Büro: Sollte eine Erkältung oder Grippewelle im Büro grassieren, erwarten wir von dir, dass du weiterhin erscheinst. Ein starkes Immunsystem ist Teil unserer Unternehmenskultur, und wer krank wird, zeigt Schwäche – und Schwäche können wir uns nicht leisten.


Das Kleingedruckte: Mit der Fortsetzung deiner Arbeit stimmst du allen oben genannten Bedingungen zu. Viel Glück – du wirst es brauchen. Wir sehen alles.

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