In diesen dunklen Zeiten, da der Mond blass und die Winde stürmisch, und der Aberglaube hoch in den Köpfen der einfältigen Leut’ weilet, sei es von grosser Not, dass Ihr wisset, ob Eure Verwandten des Teufels Werk verrichten. Denn wahrlich, die Hexerei kriechet in die edelsten Gemüter wie der Wurm in den köstlichen Apfel. Hiermit sei also kundgetan: Zehn unfehlbare Zeichen, woran Ihr erkennet, dass Eure Base oder Euer Vetter, den Ihr beim letzten Erntedankfeste noch wohlgesinnt wähntet, in Wahrheit eine Hexe oder gar ein Hexer sei!
Erstlich: Der Umgang mit Katzen, besonders schwarzen
Sollte sich Euer Verwandter öfter mit einem schwarzen Kater tummeln, so wisset, dies sei nicht aus Herzensgüte geschehen! Denn ein solches Tierlein sei des Teufels Bote und hange dem Hexenvolke an wie der Hunger an den Bettlern. Die Katze, die Euch süsses Schnurren vorspiegelt, könnte gar mit schwarzer Magie die Fäden des Schicksals spinnen. Weh dem, der sich dessen nicht gewahr wird!
Zweitens: Ungewöhnliche Kräuterkunde
Wisset: Wenn Eure Base plötzlich Wissen über allerley Kräuter, Tinkturen und Tränke besitzt, die den Husten eines Schweines kurieren können oder gar den Ohrenfluss des Nachbars knechten, so sei dies ein untrügliches Zeichen. Hexenfrauen und -männer hantieren stets mit unsäglichen Mixturen, um mit dunklen Mächten zu paktieren. Hütet Euch, eine solche Suppe zu kosten, denn möglicherweise ist sie mit den Tränen der Unschuldigen gesalzen!
Drittens: Nächtliches Wandeln im Mondschein
Sollte Euer Vetter in den dunklen Nächten des Vollmondes das Haus verlassen, so wisset, dass dies keineswegs ein Spaziergang sei, um den Schlaf zu fördern. Nein, vielmehr trifft er sich wohl mit seinesgleichen auf einer Heide oder bei einer alten Eiche, um in dunkler Zunft zu zaubern und gar finstere Ränke zu schmieden. Der Mondschein ist der Kerzenschein der Hexen, unter dem sie ihre unheiligen Gebete murmeln.
Viertens: Merkwürdiger Appetit auf sonderbare Speisen
Gleichwie es den Hexen gebühret, so nähret sich auch Euer Verwandter von Speisen, die kein rechter Christenmensch geniessen möge. Spürbar an einem seltsamen Verlangen nach Froschschenkeln, Rattenschwänzen und vielleicht gar Spinnenpastete. Sie sagen, es seien „Hausmittel aus alter Zeit“ – doch wisset, dies ist Hexenwerk und dunkles Gelüst.
Fünftens: Häufiger Besuch des Waldes
Scheinet es Euch, dass Eure Base allzuoft in die Wälder eilet, „um Beeren zu sammeln“, so wisset, dies ist ein arglistiger Vorwand! Der Wald ist der Heimstatt der Hexen und Hexer. Dort tauschen sie Rezepte für Flugsalben und teilen das Wissen um den Bau von Besenstielen. Kein guter Christ verbringt so viel Zeit unter den Bäumen!

Sechstens: Unerklärliche Gesundheit in Seuchenzeiten
Wo die Pest wütet und der Schnupfen über das Dorf zieht wie der Teufel über verdorrte Felder, ist Euer Vetter dennoch stets bei bester Gesundheit? Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen! Entweder hat er den Beelzebub selbst beschworen, um ihm sein sündiges Leben zu verlängern, oder er ist gar ein Hexer, der die Leiden anderer auf sich nimmt, um Macht zu erlangen.
Siebtens: Seltsame Narben oder Muttermale
Hebt Euer Verwandter in einer heissen Sommernacht sein Hemd empor, so suchet am Leibe nach merkwürdigen Zeichen, Narben oder Muttermalen. Denn es wird gesagt, der Teufel selber zeichne seine Kinder mit einer solchen Male, um sie als die Seinen zu erkennen. Ein krummes Mal hinter dem Ohr? Ein dunkles Zeichen auf dem Fuss? Weh dem, der nicht gleich das Weihwasser holt!
Achtens: Der plötzliche Reichtum
Hat Eure Base kürzlich einen Sack voller Goldstücke hervorgebracht, doch niemand weiss, woher das Reichtum stammt? Fürwahr, kein ehrlicher Handel liegt dem zugrunde. Wahrscheinlich hat sie im finsteren Bunde mit Kobolden oder Geistern goldene Schätze aus den Tiefen der Erde heraufbeschworen, während ehrbare Bürger sich mühsam ihren kargen Lohn verdienen.
Neuntens: Das unheilige Wissen um das Wetter
Sollte es Eurem Verwandten plötzlich möglich sein, das Wetter auf den Punkt genau vorherzusagen – „Morgen regnet es“, „In einer Stunde wird Sturm kommen“ – so hütet Euch! Denn solch Wissen stammt nicht von Gott, sondern von düsteren Abmachungen mit den Geistern der Lüfte. Wohlmöglich kann Eure Base oder Euer Vetter gar die Winde befehligen, um Eure Ernte zu verderben oder Eure Dachschindeln hinwegzufegen.
Zehntens: Die seltsame Gabe des Lesens und Schreibens
Das untrüglichste Zeichen aber sei, dass Euer Verwandter auf einmal des Lesens und Schreibens mächtig sei. Denn wahrlich, welcher gute, gottesfürchtige Mensch würde solch teuflisches Wissen besitzen wollen? Sollte Eure Base gar lateinische Worte verstehen, so machet Euch bereit, sie in Ketten zu legen und zum Richtplatz zu führen, denn kein ehrbarer Mensch würde sich in solche Künste einweihen lassen, es sei denn, der dunkle Herr des Abgrundes hätte es so gefügt.
So seid gewarnt, tapfere Seele, und haltet die Augen offen. Denn Eure Vetter und Basen mögen lieblich und fromm erscheinen – doch hinter dem schönen Antlitz lauert gar oft eine Hexe oder ein Hexer!
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One thought on “Von den zehn merklichen Zeichen, woran Ihr erkennet, ob Euer Vetter oder Eure Base eine Hexe sei”